22.09.1942 – 16.03.2026

Friederun Köhnen

Friederun Köhnen war Köchin, Unternehmerin und eine prägende Pionierin der deutschen Lebensmittelbranche. 1965 machte sie sich mit 23 Jahren selbstständig. Ihr Startkapital betrug 600 D-Mark. Ihre erste Versuchsküche entstand im Keller ihrer Eltern, einfach eingerichtet, aber getragen von einer klaren Idee:

Lebensmittel sollten nicht nur produziert, sondern alltagstauglich, verständlich und genussvoll in die Haushalte gebracht werden.

Diesen außergewöhnlichen Gründerinnenweg hat auch der SPIEGEL in einem Porträt über Friederun Köhnen aufgegriffen.

Aus dieser kleinen Versuchsküche entwickelte sich über die Jahrzehnte ein Unternehmen, das die deutsche Esskultur sichtbar mitgeprägt hat. Friederun Köhnen erkannte früh, welche Chancen in Convenience, Tiefkühlkost, Verpackungsrezepten und neuen internationalen Zutaten lagen. Sie entwickelte Rezeptideen, Produktkonzepte, Kochbücher und Verpackungsanwendungen für die Lebensmittelindustrie.

Friederun Köhnen geht selbstbewusst über einen gepflasterten Weg im Garten, trägt ein dunkelblaues Kleid mit weißen Applikationen und Schmuck.

Auch im Fernsehen ging sie neue Wege. Bereits in den 1970er-Jahren war sie mit einer Kochrubrik im WDR zu sehen. Später entwickelte sie für RTL die tägliche Kochsendung „Komm doch mal in die Küche“, die sie gemeinsam mit Horst Tempel präsentierte. Damit gehörte sie zu den frühen weiblichen Gesichtern deutscher Kochsendungen.

Moderne Alltagsküche

Zu ihren frühen Impulsen gehörte die Idee, Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen nicht mehr nur getrocknet, sondern auch küchenfertig in Dosen anzubieten. Was heute selbstverständlich wirkt, war damals ein mutiger Schritt in Richtung moderner Alltagsküche. Auch die wachsende Bedeutung von Tiefkühlprodukten und die Entstehung der ersten Selbstbedienungsmärkte erkannte sie als Chance. Wo Lebensmittel verpackt wurden, brauchte es Bilder, Rezepte und Ideen, die Menschen zum Kochen inspirierten.

Küche als Karrierestart

Mitte der Sechzigerjahre zierte ihr Gesicht das Titelbild einer Kundenzeitschrift. Und doch steckte dahinter eine Frau, deren Leben zu diesem Zeitpunkt noch in festen Bahnen verlief: Familie, Haushalt, Alltag. Bis etwas in ihr aufbrach. "Und auf einmal war mir das nicht mehr genug", erinnerte sie sich später. "Da hab ich gesagt: Ich mache eine Versuchsküche auf."

Trendmacherin im Hintergrund

Mit Produktideen und Rezepten, die ihrer Zeit oft voraus waren, hat Friederun Köhnen Trends nicht nur begleitet, sondern mitgeprägt. Ihre Firma wuchs in einer Zeit, in der auf dem Tisch noch "Essen" stand. Was die Branche heute schlicht "Food" nennt, war damals schlicht das, womit Menschen ihren Tag begannen und beendeten.

Vorreiter bei Rollenverteilung

Während Friederun Köhnen mit den Großen der Lebensmittelbranche am Tisch saß und verhandelte, war es ihr Mann, der zu Hause die Kinder erzog. Eine Rollenverteilung, die damals kaum jemand kannte. "Das war zu der Zeit ein Novum sondergleichen. Also haben wir damals schon eine modernere Ehe gehabt", blickte sie später zurück.

Bauchgefühl statt Erlenmeyerkolben

Bei einer Käseverkostung war das Handwerk noch Handwerk. Kein Labor, keine Skalen, keine Systematik. "Das war ein Auftrag", erzählte Köhnen, "bei dem wir sagen mussten: Ja, schmeckt, schmeckt nicht, und so weiter. Wir haben einfach das Produkt in den Mund genommen und gesagt: Ist zu salzig oder nicht salzig, oder ich würde Pfeffer dran tun oder so."

Sie erkannte neue Märkte

Ihr Einfluss wurde gerade bei Zutaten und Gerichten, die heute fest zur deutschen Küche gehören, besonders sichtbar. Mozzarella, Mascarpone, Rucola, Tiramisu, Caprese, Sojasauce oder Tofu waren lange keine Selbstverständlichkeit. Über Rezepte, Produktkommunikation und Kochbücher half Friederun Köhnen dabei, solche Produkte in Deutschland bekannt und marktfähig zu machen.

Aus der Versuchsküche Köhnen wurde später The Food Professionals Köhnen AG. Was geblieben ist, ist der Kern ihrer Arbeit: Produkte verstehen, Märkte erkennen, Ideen praktisch umsetzen und Genuss in eine Form bringen, die Menschen erreicht. Friederun Köhnen stand für Mut, unternehmerische Klarheit und die Fähigkeit, Entwicklungen der Lebensmittelbranche früh zu erkennen, bevor sie selbstverständlich wurden.

Zwischen Küche & Kamera

Als junge Frau Mitte zwanzig hatte Köhnen es trotz aller Erfolge nicht leicht. Die Wirtschaftswunderzeit war eine Zeit der Männer, und wer als Frau mittendrin Geschäfte machte, musste sich seinen Platz erst erkämpfen. Nebenbei stand sie gelegentlich vor der Kamera, wenn ein befreundeter Fotograf sie brauchte.

Prestige als Eintrittskarte

Wer als Frau in der Geschäftswelt ernst genommen werden wollte, musste damals mehr investieren als ihre männlichen Kollegen. Für Köhnen hieß das: immer die teuerste Adresse. Nicht aus Luxus, sondern aus Notwendigkeit.

Tisch mit Aussicht: Toilette

Abends alleine essen gehen, das war für eine Frau ohne Begleitung schon eine kleine Provokation. Die Quittung kam prompt: Wer nicht mit einem Mann am Tisch saß, landete am schlechtesten Platz im Restaurant. Bei Köhnen war das regelmäßig der Tisch am Klo.

Vorurteile ließ sie einfach von sich abprallen

Die Widerstände waren real. Schlechte Tische, teure Hotels, Männer, die sie nicht ernst nahmen. Aber Friederun Köhnen ließ sich davon nicht beirren. Sie machte weiter, baute weiter, verhandelte weiter. Was ihr entgegenschlug, formte sie, bremste sie nicht.

Kompass für die Lebensmittelindustrie

So verstehen wir Herkunft nicht als Rückblick, sondern als Richtung

Wir bewahren das Erbe von Friederun Köhnen nicht, indem wir es museal verwalten. Wir führen es weiter, indem wir es in die Gegenwart übersetzen: mit Offenheit, mit Haltung, mit Lust auf Zukunft und mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. In diesem Sinn bleibt Friederun Köhnen Teil dessen, was wir sind — und Teil dessen, was wir werden wollen.