Zur Erinnerung: Im Akzeptanzvergleich zu Invitro und Pflanzen haben Insekten den 3. Platz belegt mit einer Akzeptanz von 15 % (quantitative Befragung, Juni 2018, über 1000 Befragte, Querschnitt Deutschland). Die höchste Akzeptanz erfahren Insekten/-produkte getrocknet und zu Pulver zermahlen, d. h. in einer stark verarbeiteten Darreichung. Was hat sich seither verändert?

In Bezug auf Insekten bewegen sich Menschen nach wie vor im starken Spannungsfeld zwischen Ekel und Akzeptanz

Betrachtet man andere aktuelle Quellen, ergibt sich folgendes Bild:

  • 22 % der Deutschen würden Insekten essen (Deutschland, 14.10.2019, 954 Befragte ab 18 Jahre, Statista).
  • Attest – The Future of Food & Drink Report 2019 besagt, dass knapp 47 % der Briten Interesse an vermahlenen Insektenproteinen als alternative Proteinquelle zeigen.
  • Laut Mintel-Datenbank wurden in den vergangenen Jahren in ganz Europa 63 Produkte gelistet, die Insekten-basiert, mit Insekten-Protein oder mit wirbellosen Tieren und/oder Insekten hergestellt sind, davon entfallen 20 Produkte auf Deutschland (vor allem Snackprodukte).
  • Die prognostizierenden Marktvolumina für 2023 sind vielversprechend. In Europa wird eine Verdreifachung des Marktvolumens von essbaren Insekten erwartet. (Statista 2019)
  • Die Prognosen für das Marktwachstum von Speiseinsekten liegen laut Meticulous bei 20 % pro Jahr – derzeit gehemmt durch das Fehlen gesetzlicher Rahmenbedingungen, einen Mangel an Bewusstsein, psychologischer, kultureller und ethischer Barrieren sowie mögliche Allergien gegen Insekten (ähnlich denen gegen Krustentiere).

Doch was spricht tatsächlich für den Verzehr von Insekten? Wo liegen Chancen und Vorteile? Welche Standpunkte untermauern die Akzeptanz des Verzehrs als alternative Proteinquelle?

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat einen anschaulichen Vergleich gezogen und dabei die Grille und das Rind als Vertreter ihrer Produktgruppen in ernährungsphysiologischen und ökologischen Disziplinen gegeneinander antreten lassen.

Zusammenfassend ist das Rind nur in der Disziplin Proteingehalt mit der Grille gleichauf – beide enthalten ca. 20 g Protein/100 g – zieht aber in allen übrigen Disziplinen den Kürzeren. Nicht nur, dass das Rind das Vierfache an Futter benötigt, es braucht auch 12,5-mal so viel Platz, verbraucht das 15.500-fache an Wasser und stößt das 100-fache an CO2-Emissionen aus.

Ganze 80 % der Grille sind für den menschlichen Verzehr geeignet, während wir vom Rind nur 40 % verzehren können.

Und auch der direkte Nährwertvergleich auf jeweils 100 g bezogen zeigt, dass die Grille mit 153 kcal zwar nur einen knappen Vorsprung von 16 kcal im Vergleich zum Rind hat, diesen aber durch einen deutlich niedrigeren Fettgehalt erreicht.

Der Markt bleibt spannend. Im Kern bleibt die Frage, ob neue insektenbasierte Produkte und neue Marken es schaffen, die Kernbedenken der Menschen abzubauen und die Vorteile im strategischen Marketing glaubwürdig in den Fokus zu stellen.

Ob Insekten langfristig eine echte Alternative für Mensch und Tier werden, ist abzuwarten. Wir von Food.Professionals bleiben dran und beobachten das große Krabbeln für Sie weiter.

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