Unsere Welt ist geprägt von Unternehmen, denen ein Gründer vorstand. Die Gründer sind mit einer Idee gestartet und dem Willen, dieser Idee Leben zu geben. Sie sind oft nicht nur „Macher“, sondern auch Multitalente. Sie besitzen häufig keine klassische oder akademische Ausbildung, sondern sind ihrem Bedürfnis gefolgt, eine Vision wahr werden zu lassen. Kompetenzen, ein Unternehmen zu gründen und zu führen, wurden nebenbei erlernt, oft verbunden mit prägenden Rückschlägen. In dieser Leidenschaft sind sie und das Unternehmen gewachsen, bis zu einem Punkt, der eine Nachfolge schwierig macht.

Für unser Unternehmen galt, was auf die meisten der KMUs in Deutschland zutrifft: der Wechsel von der Gründergesellschaft zu einem nachhaltigen und zukunftsträchtigen Unternehmen mit einer Strategie. Für mich sind Kommunikation, Klarheit und Vertrauen die Grundsteine für eine erfolgreiche Unternehmensübergabe. Das gilt für Mitarbeiter, Kunden, Partner, vor allem aber für Gründer und Nachfolger. Das Ausscheiden des Gründers aus dem Unternehmen, in diesem Fall meiner Mutter, muss rechtzeitig und respektvoll gelingen. Einher geht oft auch ein Umbau oder Aufbau von organisierten Strukturen. Ein Unternehmen mit Zukunft muss unabhängig von Persönlichkeiten funktionsfähig sein und sollte einer nach außen erkennbaren Mission folgen.

„Seit mehr als 50 Jahren ist es unser Antrieb, Lebensmittel für Menschen begehrlich zu machen – mit ihnen soll das Leben abwechslungsreicher, genussvoller, gesünder und einfacher sein. Dafür schlägt unser Herz. Dafür schlägt mein Herz.“ – Volker Köhnen

Auch bei den Food.Professionals war die Suche nach einem Nachfolger eine große Herausforderung. Der Wunsch, das Unternehmen innerhalb der Familie weiterzuführen, zerplatzte mit dem Tod von Helltraut Köhnen, Tochter der Unternehmensgründerin, die für diese Aufgabe ausgebildet wurde. Meine Mutter sprach von einem leeren Stuhl im Unternehmen, der zunächst unbesetzt blieb. Jeder externe Nachfolger brachte eine eigene Vision für das Unternehmen mit, die jedoch nicht mit den Werten meiner Mutter übereinstimmte. Die fehlende Akzeptanz machte es nicht nur für die neue Generation der Nachfolger schwierig, eine zukunftssichere Lösung für das Unternehmen zu finden, sondern auch für die vorhandenen Mitarbeiter.

Als ich 2010 schließlich die Firma übernahm, war es mir besonders wichtig, das richtige Team aufzubauen, welches die Gründungsidee erkennt, zeitgemäß belebt und die Werte der Firma reaktiviert und lebt. Zudem wollte ich das Unternehmen agiler aufstellen, denn heutzutage geschehen Veränderungen in einer rasenden Geschwindigkeit. Neben unserem strategischen Ansatz „Marke – Produkt – Mensch“ leben wir intern nach dem Dreiklang „Kopf – Herz – Hand“. Wir bündeln Kompetenzen im Haus (Kopf), wir vermitteln Leidenschaft und leben einen respektvollen Umgang miteinander und mit Kunden (Herz) und wir ergänzen unsere Kompetenzen bei Bedarf mit Unterstützung von außen (Hand).

Schon damals war es Friederun Köhnen aus der Generation Gründer stets wichtig, zukunftsweisende Themen zu identifizieren und dem Markt mindestens zwei Jahre voraus zu sein. In diesem Sinne beschäftigen wir uns aktuell intensiv mit der Generation Z – diese wird nicht nur unser gesamtes Konsum- und Markenverständnis neu definieren, sondern sicherlich auch meine Nachfolger stellen.

Leave a Reply